TSV Stadt und Landkreis Gotha/Thür. e.V.

Tierheim "Arche Noah" in Gotha-Uelleben

 Hunde auf dem Bild: Sue (links) und Lenny (rechts)

Dass eine Fellnase in unsere Wohnung einziehen sollte, war uns - meinem Partner und mir - seit Monaten klar. Wir besprachen wie wir uns den Alltag vorstellen, wohin wir in Urlaub fahren könnten mit Hund, holten uns das Einverständnis von Vermieter und Nachbarn, checkten den Garten auf für Hunde unverträgliche oder gar giftige Pflanzen und so weiter. Beinahe fertig mit den wichtigsten gedanklichen Vorbereitungen schauten wir uns an einem verregneten Nachmittag im Web um. Das Tierheim Gotha kannte ich bereits und war mir sicher: wenn es sein soll, dann werden wir hier fündig. Anderenfalls würde es eben noch eine Weile länger dauern mit der Hundewunscherfüllung.

Die zwei schwarzfelligen Seniorenhunde Sue und Lenny eroberten mit nur einem einzigen Foto im Sturm mein Herz. Sie wurden gemeinsam vermittelt und aufgrund des weit fortgeschrittenen Alters galten sie wohl als schwer vermittelbar. Alle "Probegassirunden" ließen uns eindeutig feststellen: diese Tiere passen perfekt zu uns und in unser Leben, auch wenn es nicht einfach werden würde. Sue: die stürmische, machmal störrische Schmusehündin und Lenny: der trödelnde, eher ängstlich/ zurückhaltende Rüde mit zotteligem, verfilzten Fell. Wir wollten ihr neues Zuhause sein.

Rückwirkend betrachtet - es ist nun einen Monat her, dass die zwei bei uns eingezogen sind - haben wir da ein riesiges Abenteuer gewagt. All das Reden, Abraten und alle aus dem Bekanntenkreis geäußerten Bedenken haben wir weitestgehend ignoriert und uns selbst mit den Tatsachen beschäftigt.

Ja, ein Tier aus dem Tierheim ist in gewissem Maße ein Überraschungspaket.

Ja, gleich zwei Hunde bei sich aufzunehmen ohne vorherige verlässliche (Hunde-)Erfahrungen ist sehr gewagt.

Ja, Hunde im Alter von 9 und 12 Jahren sind keine superflexiblen Sportskanonen mehr und selbst die kleinen Trainings kosten vor allem Geduld.

Und ja, es wird schwer sie schon nach wenigen gemeinsamen Jahren los zu lassen, denn ein Hund ist mit 9 bzw. 12 schon alt.

Wir sind glücklich diese zwei Hunde jeden Tag bei uns haben zu dürfen und freuen uns auf die Zeit - egal wie lang sie sein wird.

Die dominante, rumpelige Sue hat sich als super kooperativer Hund entpuppt, der manchmal Angst im Dunkeln hat. Mit freundlichen Empfehlungen im Alltag und konsequentem Verhalten ihr gegenüber entwickelt sie sich gerade auf ihre alten Tage zu einer Musterschülerin. So wartet sie zum Beispiel geduldig vor dem Futternapf bis er freigegeben wird, frisst auch ihrem Kumpel Lenny freiwillig nichts mehr weg und drängelt sich nicht mehr als erstes und um jeden Preis durch jede Tür hindurch. Wenn ich einen Schneidersitz auf dem Teppich mache, kugelt sie sich hinein als wäre sie eine kleine Maus, dann reckt sie ihren Bauch zum Kraulen entgegen und streckt alle Pfoten dabei quer in die Luft.

Der ängstliche, bisher eher träge Lenny läuft zu seiner letzten Hochform auf: unnötige Kilos sind durch die schönen Gassirunden nur so davon gepurzelt und nach vielen Stunden Fellpflege (die er inzwischen wieder sehr genießen kann) sind die meisten Verfilzungen nun Geschichte. Eine kleine Rastalocke hinter dem Ohr lassen wir, wo sie ist ;-) Inzwischen darf Lenny ohne Leine sein eigenes Tempo hinterher gehen und stromert dabei liebend gern durchs dichte Unterholz. Sein neu gewonnenes Selbstbewusstsein gibt den alten Knochen Kraft: wenn er Lust hat, rennt er durchaus einen Berg hinauf oder springt kurzerhand über das, was ihm halt gerade im Weg liegt. Von Sue lässt er sich nicht mehr unterbuttern und Sue akzeptiert ihn nun bereitwillig - sogar Streichelheiten für Lenny, obwohl sie gerade mal nicht auch dran ist, akzeptiert sie unter einem genervten Schnauben.

Fazit:

1. Wir haben die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn es übermorgen zum ersten Mal zu viert zum Tierarzt geht (kleiner Gesundheitscheck).

2. Wir sind froh, niemandem außer uns selbst, beim Thema "Alter Hund" ein Mitspracherecht gegeben zu haben. Denn diese zwei "alten" Hunde, sind ganz grandiose Typen mit einem tollen Charakter. Es ist auch schön, keine 20 km mit einem Tier rennen zu müssen, damit es ausgelastet ist.

3. Es ist ein tolles Gefühl ein Tierheim um einen liebenswerten Vierbeiner zu erleichtern. Und glaubt mir: die Tierheime sind voll von liebenswerten Tieren, die es weder verdient haben dort zu sein, noch etwas dazu können. Denn es sind schließlich in den meisten Fällen die Menschen, die sie zu unrecht wie im BGB beschrieben als "Dinge" betiteln und auch so behandeln.

Deine To-Do's wenn du ein Tier aufnehmen möchtest:

- Kannst du das Tier artgerecht halten?

- Bringst du alle Voraussetzungen (körperlich, geistig, finanziell, zeitlich,...) mit?

- Es kann sich jemand liebevoll um das Tier kümmern, wenn du mal nicht kannst?

- Bist du bereit mit dem Tier durch Dick und Dünn zu gehen?

- Bist du dir über die Änderungen deines Alltages im Klaren?

- Alles mit Ja beantwortet? Dann ab ins Tierheim "Arche Noah"!

Freundliche Grüße

Lisa-Marie Kalisch

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 15 Januar 2022
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